Von Girlboss zu Soft Girl: Warum wir müde vom Starksein sind
- sdimmer5
- 11. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Erinnerst du dich an die Girlboss-Ära?Diese 2010er-Jahre-Welle aus Glitzer-Agendas, Latte-Art und Sprüchen wie „Hustle harder, babe“? Sie versprach Empowerment – und verkaufte uns letztlich nur einen neuen Leistungsdruck im rosa Gewand.
Und ja, schon der Begriff zeigt, worum es ging: „Girl“.Eine Zuschreibung, die viele ausschließt – nonbinäre, trans und agender Personen, die genauso vom Leistungs- und Anpassungsdruck betroffen sind. Selbst die „Soft-Girl-Era“, die heute durch Social Media geistert, bleibt oft in dieser binären Sprache stecken. Dabei ist das Bedürfnis nach Weichheit, Pausen und Fürsorge kein „Mädchen-Ding“, sondern zutiefst menschlich.
Heute erleben wir die Gegenbewegung: Soft Era, Gentle Productivity, Lazy Girl Jobs. Menschen – besonders FLINTA* – zeigen, wie sie sich gegen Überarbeitung, Leistungsdenken und Schönheitsnormen wehren – mit Haarklammern, Hafermilch und einem radikal entspannten Gesichtsausdruck. Und ganz ehrlich? Das ist politischer, als es aussieht.
Zwischen Popkultur und Patriarchat
Unsere Generation ist aufgewachsen mit widersprüchlichen Botschaften: „Sei stark, unabhängig, erfolgreich – aber auch schön, freundlich und belastbar.“ Viele FLINTA* haben gelernt, dass Anerkennung durch Anpassung kommt. Dass Care-Arbeit selbstverständlich ist. Und dass Schwäche etwas ist, das man kaschiert, nicht teilt.
Kein Wunder also, dass wir heute erschöpft sind. Nicht, weil wir versagt hätten, sondern weil wir ein System am Laufen gehalten haben, das auf unserer Erschöpfung basiert.
Softness als Widerstand
Die neuen Internetbewegungen, so verspielt sie wirken, erzählen von etwas Tieferem: Von der Sehnsucht nach einem Leben, das sich nicht ständig nach „Mehr“ anfühlt. Von einem Bedürfnis, weich zu werden, ohne schwach zu sein.
Vielleicht ist „Softness“ unsere neue Form von Stärke. Ein kollektives Loslassen. Von Idealen, die uns verbiegen, und von Erwartungen, die nie erfüllt werden können. Soft sein heißt nicht, sich aufzugeben. Es heißt, sich selbst zurückzuerobern.
Selfcare ohne Glitzerfilter
Selbstfürsorge ist kein Trend. Sie ist das, was übrig bleibt, wenn du aufhörst, dich zu optimieren. Wenn du dich fragst:
„Was brauche ich – und für wen sorge ich gerade?“
Denn vielleicht ist das Radikalste, was wir heute tun können: Einfach mal sanft mit uns sein.

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